Solidarisch gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck!

Position des Stadtjugendring Mannheim e.V. fĂŒr ein demokratisches Zusammenleben in Vielfalt

Der Stadtjugendring Mannheim e.V. steht seit 1946 in Mannheim fĂŒr Demokratie und Gleichberechtigung, fĂŒr Freiheit und Gerechtigkeit fĂŒr alle Kinder und Jugendlichen ein. Wir bekrĂ€ftigen erneut, dass wir seit ĂŒber 75 Jahren zu unseren Grundwerten stehen, die als Gegenentwurf zu den Schrecken und Verbrechen des Nationalsozialismus festgesetzt wurden. Wir setzen uns mit unserer freien und vielfĂ€ltigen Jugendarbeit fĂŒr eine Zukunft ein, in der wir partnerschaftlich und gleichberechtigt leben können, unabhĂ€ngig von Geschlecht, Herkunft, NationalitĂ€t, sexueller Orientierung, GeschlechtsidentitĂ€t, körperlicher und geistiger FĂ€higkeit, Religion und weltanschaulicher Auffassung, gemeinsam als Teile einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft.

Unsere Arbeit und unser Engagement gelten allen Kindern und Jugendlichen Mannheims. Sie sollen in unseren VerbĂ€nden stets WertschĂ€tzung, UnterstĂŒtzung und Gleichberechtigung erfahren. Sie sollen die Möglichkeit erleben, unsere Gesellschaft und die Welt aktiv mitzugestalten zu können.

Fest ĂŒberzeugt von diesen gemeinsamen Werten, die unsere Zusammenarbeit prĂ€gen und leiten, sehen wir es darum als notwendig an, zu der aktuellen politischen Entwicklung in Deutschland deutlich Stellung zu beziehen:

  1. Wir lehnen die menschenfeindlichen Entgrenzungen in den sogenannten migrationspolitischen, asylpolitischen und sicherheitspolitischen Debatten deutlich ab. Wir sind erschĂŒttert, in welchem Ausmaß Generalverdacht und Diskriminierung aufgrund von Herkunft in nahezu allen politischen Parteien wieder salonfĂ€hig geworden sind. Wegen der schrecklichen Taten Einzelner wird gegen ganze Bevölkerungsgruppen Stimmung gemacht. Die ohnehin schon schwierigen Lebensbedingungen dieser Menschen werden durch aktionistische Schikane wie die sogenannte „Bezahlkarte“ verschlechtert. Die politische Diskussion beschrĂ€nkt sich vielerorts auf Migration als vermeintlichen Ursprung aller Probleme. Von Regierungen und parlamentarischen Mehrheiten werden heute Positionen vertreten, die vor zehn Jahren zurecht als menschenfeindliche Rhetorik des rechten Rands galten.
  2. Der politische Kurs der Abschottung fordert Menschenleben in den HerkunftslĂ€ndern, im Transit, an den sogenannten EU-Außengrenzen, in ganz Europa und in Deutschland. Wo Menschen ihr Recht auf Schutz und auf rechtliches Gehör genommen wird, wo Pushbacks und Abschiebungen in immer gefĂ€hrlichere Regionen der Welt normalisiert und ausgeweitet werden, entsteht unfassbares Leid und Leben werden zerstört. Kinder und Jugendliche mĂŒssen bei uns in stĂ€ndiger und wachsender Unsicherheit leben. FĂŒr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene besteht tĂ€glich die Gefahr, zu jeder Tages- und Nachtzeit aus ihrem Umfeld, ihrer Schule, ihren Vereinen und Freundeskreisen gerissen und abgeschoben zu werden.
  3. Der Rechtsruck zersetzt unsere Demokratie und gefĂ€hrdet den Rechtsstaat. Er gibt der antidemokratischen „Alternative fĂŒr Deutschland“ RĂŒckenwind und stĂ€rkt die faschistische Bewegung. Grundrechte wie das auf Asyl, Freiheit von staatlicher Überwachung, Gleichheit vor dem Gesetz und ein ordentliches rechtsstaatliches Verfahren werden zunehmend in Frage gestellt und eingeschrĂ€nkt. So werden unmenschliche Grenzlager an der MittelmeerkĂŒste errichtet, staatliche Überwachung und Kontrolle im öffentlichen Raum ausgebaut. Es wird sogar gefordert, Menschen allein aufgrund ihres Wohnortes hĂ€rter bestrafen zu können oder mit staatlicher Gewalt aus ihren Wohnungen zu vertreiben.
  4. Wir benennen diese politische Entwicklung als das, was sie ist: Rassismus. Menschen werden aufgrund ihrer Herkunft kategorisiert und abgewertet, entrechtet, verletzt und getötet, der Ausbeutung und UnterdrĂŒckung preisgegeben. Derzeit Ă€ußert sich dies besonders in antimuslimischem Rassismus.

Die rassistische und nationalistische Debatte verschleiert, wo echte Probleme und echte Lösungen liegen. Hass und Gewalt, soziale Krisen und Konflikte kann und darf man sich nicht durch Abschottung und Nationalismus entgegenstellen. Das einzige wirksame Mittel ist ein mutiger Gegenentwurf fĂŒr eine solidarische, pluralistische, weltoffene und soziale Demokratie, welche die WĂŒrde jedes einzelnen Menschen wertschĂ€tzt und schĂŒtzt. Eine Gesellschaft, die gemeinsam daran arbeitet alle Formen der Diskriminierung, wie den wiedererstarkenden Hass auf JĂŒdinnen und Juden und Antisemitismus, sowie auch z.B. Rassismus, Frauen- und Queerfeindlichkeit, Ableismus und finanzielle Ungleichheit zu ĂŒberwinden, statt sie zum Problem der „Anderen“ zu erklĂ€ren und marginalisierte Menschen gegeneinander auszuspielen.

Wir stehen in SolidaritĂ€t mit den Menschen auf der Flucht weltweit und den Menschen die hier zu uns nach Mannheim geflohen und eingewandert sind. Wir werden uns stets fĂŒr eine Gesellschaft einsetzten, in der wir alle gemeinsam und als Gleiche zusammenleben können.

Wir bekrĂ€ftigen die Unvereinbarkeit der „Alternative fĂŒr Deutschland“ mit unseren Werten als Arbeitsgemeinschaft der JugendverbĂ€nde. Sie ist eine antidemokratische und menschen-verachtende Partei, die auch mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist. Wir rufen alle politischen Parteien und zivilgesellschaftlichen Akteure dazu auf, diese Partei mit allen Mitteln der wehrhaften Demokratie zu bekĂ€mpfen, und nicht lĂ€nger ihren politischen Forderungen hinterher zu eifern.

Wir als Arbeitsgemeinschaft der JugendverbĂ€nde fordern darum alle demokratischen Parteien und Politikerinnen in Mannheim, Baden-WĂŒrttemberg und ganz Deutschland auf, Haltung zu zeigen. Wir fordern sie auf, sich gegen die Normalisierung von Rassismus und Ausgrenzung zu stellen. Die WĂŒrde aller Menschen muss im Zentrum allen politischen Handelns stehen. Dies ist die wichtigste Verantwortung aller Parteien und Politikerinnen. An dieser Verantwortung haben viele versagt.

Wir fordern als Stadtjugendring Mannheim e.V., dass dieser Verantwortung endlich nachgekommen wird, um des Lebens und die WĂŒrde der Betroffenen und um den Erhalt unserer pluralistisch-demokratischen Gesellschaft Willen.

Dieses Positionspapier wurde ohne Gegenstimmen am 13.11.2024 in der Mitgliederversammlung des Stadtjugendring Mannheim e.V. beschlossen.

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