Am 6. Juli war Sozialministerin Katrin Altpeter zu Gast beim Stadtjugenring Mannheim. Im Jugendkulturzentrum FORUM diskutierte sie 90 Minuten lang mit Vertreter*innen der Jugendverbände über das Ehrenamt.

Die SJR-Vorsitzenden Julia Lück und Jan Sichau begrüßten die Gäste und führten durch das Programm

Es ging um den Stellenwert des Ehrenamts, die aktuellen Bedingungen für die ehrenamtliche Arbeit, die Förderung durch das Land, aber auch die Hemmnisse, die teilweise schon seit Jahrzehnten bestehen. So wurden beispielsweise die Probleme angesprochen, die Studierende an ihren Hochschulen haben.
Um sich in der Betreuung bei Freizeiten engagieren zu können, brauche es nach deren Ansicht eine gesetzliche Regelung, wonach bestimmte Zeiten von Klausuren befreit sind. Ein einfacher Appell der Ministerin reiche da nicht aus.

Alev Bahadir (DIDF-Jugend und SJR-Vorstandsmitglied) steigt gleich in die Diskussion ein

Ein weiterer Diskussionspunkt war das Nebeneinander der vielen verschiedenen Zuschusstöpfe. Auch wenn das Land Anerkennung dafür verdient, dass der Jugendbereich - anders als von einem Diskussionsteilnehmer behauptet - erhöht statt gekürzt wurde, wäre es besser gewesen, anstelle eines "Zukunftsplan Jugend" die Förderquoten im Landesjugendplan endlich zu erfüllen. Für junge Ehrenamtliche seien die zahlreichen Fördertöpfe, Projektausschreibungen, Stiftungen und ähnliches nicht mehr zu durchschauen.

Sozialministerin Katrin Altpeter in ihrer gewohnt lebhaften und authentische Art

Unterstützt wurde die Diskussionsrunde von Kerstin Sommer, der Vorsitzenden des Landesjugendring Baden-Württemberg.
Beim Thema Bildungszeitgesetz klärte sie darüber auf, dass das Gesetz zwar bereits gültig sei, aber leider nur für den Bereich der beruflichen Bildung. Der Bereich "Qualifizierung für das Ehrenamt" soll auf dem Wege einer Rechtsverordnung geregelt werden. Die allerdings bedürfe keiner parlamentarsichen Zustimmung mehr, sondern könne vom zuständigen Minister einfach unterzeichnet werden, wie Ministerin Altpeter ergänzte. Ebenfalls noch nicht klar war, wer denn überhaupt Anbiter solcher Qualifizierungsmaßnahmen sein kann. Die Frage, ob es die bisherigen Akteure - also die Ringe und Verbände - sind oder ob sich alle interessierten Institutionen noch einer besonderen und teuren Zertifizierung unterziehen müssen, blieb unbeantwortet.

Kerstin Sommer sieht sich einer nachdenklichen Ministerin gegenüber

Weitere, zum Teil lebhaft diskutierte Punkte, waren die ausufernde Bürokratie, die Deckelung der Personalkostenzuschüsse für Jugendbildungsreferent*innen im Zukunftsplan Jugend oder bestimmte Vergünstigungen für qualifizierte Ehrenamtliche. Hier kam die Frage auf, ob das Land denn nicht analog zum Zuschuss für die Bahncard ebenso im ÖPNV verfahren könnte. Ein Monats- oder Jahresticket im Verkehrsverbund wäre für viele ein schönes Zeichen der Anerkennung.

Die rund 90 Delegierten aus den Verbänden hörten genauso gespannt zu wie die Gäste aus der Politik:
Als Landtagsabgeordneter und Stadtrat war Wolfgang Raufelder (Bündnis 90/Die Grünen) zu Gast, ebenso wie die Stadträt*innen Lena Kamrad (SPD) und Rajmond Fojkar (Bündnis 90/Die Grünen)
Bürgermeisterin Frau Dr. Freundlieb hatte in Vertretung des Oberbürgermeisters die Grüße der Stadt Mannheim überbracht